Im Mai waren 17 Jugendliche mit der Pfarrei in Irland unterwegs. Was sie dort erlebt haben und welche Eindrücke sie von ihrer Reise mitgenommen haben, erfahrt ihr in einem kleinen Bericht.
Irlandreise im Mai – Einblicke in unsere Exkursion zur Zukunft der Jugendarbeit
Keltisches Erbe und christliche Tradition –Spiritualität und Identität in Irland
Wir waren aufgebrochen, um Irland kennenzulernen – seine Geschichte, seine Landschaften und die Spuren des frühen Christentums. Zurückgekommen sind wir mit neuen Freundschaften, vielen Erinnerungen und einer Frage, die uns im Vorfeld, aber auch während der Woche immer wieder begegnete:
Was ist dir heilig?
In Gesprächen, bei den täglichen Impulsen, beim Schreiben im Tagebuch oder während langer Busfahrten duch die irische Landschaft tauchte sie immer wieder auf. Rückblickend war sie der rote Faden unserer gemeinsamen Woche.
Vom 23. bis 29. Mai 2026 waren wir, eine Gruppe von 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam mit unserer Jugendreferentin Lara Rauch, unserem Diakon Martin Blume und unserer Reiseleitung Barbara Dreesen in Irland unterwegs. Die Fahrt war Teil des Aufbaus einer mobilen Jugendkirche in der neuen Kirchengemeinde Linzgau-Bodensee. Junge Menschen aus verschiedenen Orten unserer neuen Kirchengemeinde sollten sich kennenlernen, Gemeinschaft erleben und gemeinsam Glauben und Spiritualität entdecken und darüber ins Gespräch zu kommen, wie Kirche heute und in Zukunft aussehen kann. Dabei sollte uns Irland helfen. Nicht als bloßes Reiseziel, sondern als Ort gelebter Glaubensgeschichte. Die Stationen unserer Reise führten uns nach Dublin, Newgrange, Monasterboice, Galway, auf die Aran Islands, nach Clonmacnoise und schließlich auf den Croagh Patrick. Überall begegneten wir den Spuren eines Glaubens, der die Geschichte des Landes über Jahrhunderte geprägt hat. Jeder Tag begann mit einem Morgenimpuls und endete mit einem gemeinsamen Tagesabschluss. Dazwischen blieb Zeit für Gespräche, Begegnungen und persönliche Gedanken im Reisetagebuch. Viele von uns nutzten diese Zeit, um Eindrücke festzuhalten oder Fragen aufzuschreiben, die unterwegs entstanden.
Pfingsten in Dublin – Kirche weltweit erleben
Ein besonderer Höhepunkt fiel auf den Pfingstsonntag. Gemeinsam feierten wir die Heilige Messe in der St. Mary’s Cathedral in Dublin. Die Messe wurde teilweise auf Englisch und teilweise auf Latein gefeiert. Obwohl, viele von uns kaum ein Wort verstanden, fühlte sich die Messe überraschend vertraut an. Die Gebete, die Eucharistie und die Struktur der Feier waren dieselben wie zuhause. Gerade an Pfingsten bekam diese Erfahrung eine besondere Bedeutung. Das Fest erinnert daran, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache durch den Heiligen Geist miteinander verbunden werden. Genau das konnten wir an diesem Morgen erleben.
Am Nachmittag besuchten wir die St. Patrick’s Cathedral und beschäftigten uns kurz mit Geschichte der anglikanischen Kirche, die aus der Trennung Heinrichs VIII. von Rom hervorging. Doch je mehr wir darüber erfuhren, desto deutlicher wurde, dass diese Entwicklungen Irland bis heute prägen. Fragen nach Religion, Identität und Zugehörigkeit haben die Geschichte der Insel über Jahrhunderte bestimmt.
Die Kathedrale gehört heute zur anglikanischen Kirche, erinnert aber zugleich an die gemeinsame christliche Geschichte.
Die Wurzeln des Glaubens
Je weiter wir durch das Land reisten, desto häufiger begegneten wir Orten, an denen Glaube und Geschichte untrennbar miteinander verbunden sind. In Monasterboice, Mellifont Abbey und Clonmacnoise erfuhren wir von den Ursprüngen des irischen Christentums. Die alten Klosteranlagen
erzählen von einer Zeit, in der Irland als „Insel der Heiligen und Gelehrten“ bekannt war und von hier aus Missionare den Glauben nach Europa trugen.
Zwischen alten Klostermauern, Hochkreuzen und Rundtürmen wurde spürbar, dass der christliche Glaube hier über Jahrhunderte das Leben der Menschen geprägt hat. Was heute historische Stätten sind, waren einst lebendige Zentren des Glaubens, der Bildung und der Gastfreundschaft.
Dabei ging es für uns nicht nur um die Vergangenheit. Immer wieder stellten wir uns die Frage, was diese Orte heute noch zu sagen haben. Was können wir von Menschen lernen, die ihren Glauben so selbstverständlich in ihren Alltag integriert haben?

Monasterboice
Bild: Lara Rauch


Bild: Lara Rauch
Ein Berg, der mehr war als eine Wanderung
Der Tag auf dem Croagh Patrick bleibt vermutlich vielen von uns am stärksten in Erinnerung. Als wir nach einer circa zweistündigen Busfahrt bei rund 30°C ausstiegen, wirkte der Berg beeindruckend. Von unten sah der Gipfel noch weit entfernt aus. Der Weg wurde steiler, die Gespräche ruhiger und die Schritte langsamer. Besonders die letzten Meter über lose Steine verlangten Konzentration und Durchhaltevermögen. Oben angekommen lag vor uns der Atlantik, hinter uns der lange Weg nach oben. Der leichte Wind war bei dieser Hitze sehr angenehm und die Aussicht überwältigend. Dort hielten wir unseren gemeinsamen Gipfelimpuls.

Croagh Patrick
Bild: Lara Rauch
Am Ende der Welt
Auch die Aran Islands werden vielen von uns lange in Erinnerung bleiben.
Die Inseln wirken wie ein Ort außerhalb der Zeit. Der Atlantik bestimmt das Leben, Trockensteinmauern durchziehen die Landschaft und an den Klippen scheint Europa plötzlich zu enden. Dort wurde es oft still. Nicht, weil niemand etwas zu sagen hatte, sondern weil die Landschaft für sich sprach. Die Weite des Meeres, der Wind und ![]()
die Kraft der Natur luden dazu ein, einfach einen Moment stehenzubleiben. Die besondere Ruhe der Inseln vermittelten vielen von uns das Gefühl, für einen Moment Abstand vom Alltag zu gewinnen. In einer Zeit, die oft von Tempo und ständiger Erreichbarkeit geprägt ist, wurden solche Augenblicke besonders wertvoll.
Mehr als eine Bildungsreise
Am Ende hatten wir das Gefühl, dass die Reise mehr gewesen war als eine Bildungsfahrt.
Natürlich hatten wir viel über Irland gelernt. Doch noch wichtiger waren die Begegnungen miteinander. Viele Gespräche entstanden erst nach den offiziellen Programmpunkten – beim gemeinsamen Abendessen, während der Busfahrten oder nach den täglichen Impulsen. Es ging um Glauben, Zukunftspläne, Zweifel, Hoffnungen und die Frage, was junge Menschen heute von Kirche erwarten.
Als wir schließlich wieder zuhause ankamen, hatten wir weit mehr im Gepäck als Fotos und Souvenirs.
Wir hatten die Wurzeln des irischen Christentums kennengelernt, die Verbundenheit der Weltkirche erfahren und erlebt, wie Glaube Menschen über Generationen und Ländergrenzen hinweg verbindet. Vor allem aber waren wir als Gruppe zusammengewachsen.
Die Reise hat uns gezeigt, dass Kirche dort lebendig wird, wo Menschen gemeinsam unterwegs sind – im Gebet, in Gesprächen, auf Pilgerwegen und im Alltag.
Und wir nahmen eine Frage mit zurück an den Bodensee:
Was ist dir heilig?
Eine Frage, die uns vermutlich noch lange begleiten wird.

Autorin: Meike Stotz
Redaktion: Lara Rauch
